Blood Flow Restriction Training (BFR) wird zunehmend in Rehabilitation, Prävention und leistungsorientiertem Training eingesetzt, wirft jedoch häufig Fragen zur Sicherheit auf. Systematische Reviews und internationale Konsenspapiere zeigen, dass BFR-Training bei gesunden Erwachsenen unter kontrollierten Bedingungen als sicher gilt. Entscheidend sind eine individuelle Druckwahl, klar definierte Kontraindikationen, fachliche Anleitung sowie eine methodisch saubere Anwendung des Okklusionstrainings.
Sicherheit von BFR-Training
Risiken realistisch einordnen und sicher trainieren
Ist BFR gefährlich?
Diese Frage stellt sich in der Praxis regelmäßig, sowohl im medizinischen als auch im leistungsorientierten Training. Blood Flow Restriction Training (BFR), auch Okklusionstraining genannt, wird zunehmend evidenzbasiert eingesetzt, gleichzeitig aber häufig vorschnell als riskant eingestuft.
Die aktuelle Forschung zeigt ein differenziertes Bild: BFR-Training ist nicht per se gefährlich, erfordert jedoch eine klare Indikationsstellung, fachliche Anleitung und eine kontrollierte Anwendung. Die Sicherheit von BFR-Training hängt dabei nicht von der Methode selbst ab, sondern von Anwendung, Druck, Dauer und der individuellen Personenauswahl.
Dieser Beitrag ordnet die Sicherheit von BFR-Training auf Basis vierer gut untersuchter, international anerkannter Studien ein, beschreibt realistische Risiken und Kontraindikationen und zeigt, wie BFR sicher eingesetzt werden kann.
Was ist BFR- / Okklusionstraining?
Beim Blood Flow Restriction Training wird der venöse Rückfluss eines Arms oder Beins mithilfe spezieller Manschetten oder Bandagen teilweise eingeschränkt, während die arterielle Durchblutung erhalten bleibt. Dadurch entsteht ein erhöhter metabolischer Stress, der bereits bei 20–30 % der Maximalkraft trainingswirksame Anpassungen auslösen kann.
Ein internationales Konsenspapier beschreibt BFR ausdrücklich als kontrollierte Restriktion und nicht als vollständige Blutsperre. Diese Abgrenzung ist zentral für die Sicherheitsbewertung und wurde im viel zitierten Konsenspapier von Patterson et al. (2019) klar definiert.
Ist BFR gefährlich? Einordnung anhand der Studienlage
Die Frage „Ist BFR gefährlich?“ lässt sich nur im Kontext beantworten.
Das internationale Konsenspapier von Patterson et al. (2019) kommt zu einem klaren Ergebnis:
Schwere unerwünschte Ereignisse beim BFR-Training sind selten und stehen nahezu ausschließlich im Zusammenhang mit unsachgemäßer Anwendung, fehlender Individualisierung oder falscher Personenauswahl.
Die Autoren betonen ausdrücklich, dass BFR bei gesunden Erwachsenen unter kontrollierten Bedingungen als sicheres Trainingsverfahren einzustufen ist. Das Risiko entsteht somit nicht durch die Methode selbst, sondern durch ihren Einsatz außerhalb klar definierter Leitlinien.
Risiko Okklusionstraining: Was ist realistisch?
Das wahrgenommene Risiko von Okklusionstraining ist in der Praxis häufig höher als das tatsächliche. Systematische Übersichtsarbeiten zeigen, dass Nebenwirkungen überwiegend mild und vorübergehend sind.
Typische, reversible Begleiterscheinungen
Ein systematisches Review von Centner et al. (2019) untersuchte neuromuskuläre Effekte und berichtete vor allem:
- Druck- oder Engegefühl
- vorübergehendes Kribbeln
- Muskelkater und lokale Ermüdung
Diese Effekte sind vergleichbar mit klassischem Krafttraining und zeigen keine Hinweise auf langfristige Muskel- oder Nervenschäden, sofern konservative Trainingsparameter eingehalten werden.
Seltene, aber relevante Risiken
In der wissenschaftlichen Literatur werden potenzielle Risiken wie Nervenreizungen oder vaskuläre Reaktionen diskutiert. Besonders sensibel betrachtet wird das Thema Thrombose.
Eine klinisch orientierte Übersichtsarbeit von Minniti et al. (2020) analysierte unerwünschte Ereignisse im Zusammenhang mit BFR-Training. Das Ergebnis: Schwere Komplikationen sind selten und treten überwiegend im Zusammenhang mit fehlerhafter Anwendung oder fehlender medizinischer Abklärung auf. Die Rate schwerer Ereignisse unterscheidet sich nicht relevant von konventionellen Trainingsformen.
Die aktuelle Evidenz spricht somit dafür, dass das Risiko personenspezifisch ist und nicht methodenbedingt.
Kontraindikationen: Wann sollte man kein BFR-Training durchführen?
Die Sicherheit von BFR-Training steht und fällt mit der richtigen Personenauswahl.
Absolute Kontraindikationen
Kein BFR-Training bei:
- bekannten Thrombosen oder Embolien
- schweren peripheren Gefäßerkrankungen
- unkontrolliertem Bluthochdruck
- ausgeprägten Gerinnungsstörungen
- fortgeschrittenen kardiovaskulären Erkrankungen
Relative Kontraindikationen
Nur nach ärztlicher Abklärung:
- Diabetes mellitus mit Gefäßbeteiligung
- Schwangerschaft
- neurologische Erkrankungen mit Sensibilitätsstörungen
- frische Operationen außerhalb strukturierter Reha-Protokolle
Diese Vorsichtsmaßnahmen entsprechen den Empfehlungen aus dem Konsens von Patterson et al. (2019) sowie den klinischen Bewertungen von Minniti et al. (2020).
Gesunde Personen: Wie sicher ist BFR-Training?
Für Erwachsene ohne medizinische Einschränkungen ist die Evidenzlage eindeutig positiv.
Ein systematisches Review von Hughes et al. (2017) im rehabilitativen Kontext zeigt:
- sehr niedrige Komplikationsraten
- gute Verträglichkeit
- hohe Sicherheit unter professioneller Anleitung
Gerade in der Physiotherapie wird BFR gezielt eingesetzt, um wirksame Trainingsreize zu ermöglichen, ohne hohe mechanische Lasten auf Gelenke und Strukturen auszuüben.
BFR-Training: Druck & Bandagen als zentraler Sicherheitsfaktor
Ein zentrales Thema aller vier Quellen ist der Trainingsdruck.
Internationale Konsenspapiere (Patterson et al., 2019) betonen:
- keinen pauschalen Druck
- keine maximal angezogenen Bandagen
- eine individuelle Anpassung an die jeweilige Person
Der richtige Druck ist spürbar, aber nicht schmerzhaft. Ein praxisnahes Sicherheitsmerkmal: Die Muskulatur ermüdet schnell, Bewegungen bleiben jedoch kontrollierbar und schmerzfrei.
Mehr Druck bedeutet nicht mehr Effekt, sondern mehr Risiko.
Anwendungshinweise: So kannst du sicher mit BFR trainieren
- BFR unter fachlicher Anleitung
Besonders zu Beginn, z. B. durch Physiotherapeut:innen oder qualifizierte Trainer:innen. - Konservative Trainingsparameter
- 20–30 % der Trainingslast
- hohe Wiederholungszahlen
- kurze Pausen
- begrenzte Okklusionsdauer
- BFR als Ergänzung einsetzen
BFR ersetzt kein klassisches Krafttraining, sondern ergänzt es sinnvoll, etwa in Reha-, Präventions- oder Deload-Phasen
Fazit
Die Sicherheit von BFR-Training ist wissenschaftlich gut untersucht und klar an Bedingungen geknüpft. Internationale Konsenspapiere und systematische Reviews zeigen übereinstimmend, dass BFR bei gesunden Erwachsenen unter fachlicher Anleitung als sicher gilt. Wer Risiken kennt, Kontraindikationen ernst nimmt und Okklusionstraining methodisch korrekt anwendet, kann BFR sicher, effektiv und evidenzbasiert nutzen.
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Quellenverzeichnis
Patterson, S. D., Hughes, L., Warmington, S., Burr, J., Scott, B. R., Owens, J., Abe, T., Nielsen, J. L., Libardi, C. A., Laurentino, G. C., Neto, G. R., Brandner, C. R., Martin-Hernandez, J., & Loenneke, J. P. (2019).
Blood flow restriction exercise: Considerations of methodology, application, and safety.
Frontiers in Physiology, 10, 533.
https://doi.org/10.3389/fphys.2019.00533
Hughes, L., Paton, B., Rosenblatt, B., Gissane, C., & Patterson, S. D. (2017).
Blood flow restriction training in clinical musculoskeletal rehabilitation: A systematic review and meta-analysis.
British Journal of Sports Medicine, 51(13), 1003–1011.
https://doi.org/10.1136/bjsports-2016-097071
Centner, C., Wiegel, P., Gollhofer, A., & König, D. (2019).
Effects of blood flow restriction training on muscular strength and hypertrophy in older individuals: A systematic review and meta-analysis.
Sports Medicine, 49(1), 95–108.
https://doi.org/10.1007/s40279-018-0994-1
Minniti, M. C., Statkevich, A. P., Kelly, J. D., Rigsby, V. P., & Exline, M. M. (2020).
The safety of blood flow restriction training as a rehabilitation and performance intervention.
PM&R, 12(7), 695–702.
https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/31710505/
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